Das ewige Deja – Vu

Am Ende war alles wie immer, wenn die Kobras in letzter Zeit gegen favorisierte Teams gespielt hatten: Es wurde ihnen eine kämpferisch einwandfreie Leistung bescheinigt und man sei mal wieder nah dran gewesen. Aber eben nur nah dran. So auch gestern beim 3:4 n.V. gegen den amtierenden Meister Herforder EV.


Lange Zeit konnte man mit den Dragons mithalten, auch wenn das Torschussverhältnis (29:48) ein eindeutiges Übergewicht der Gäste ausweist. Aber das Abwehrbollwerk hielt erneut lange stand, Goalie Marvin Frenzel konnte wieder mal eine starke Leistung abrufen und nach vorne war zwar nicht alles Gold, was glänzte, doch die Effektivität war gestern Abend schon stark verbessert.
Dennoch wird die Hauptaufgabe für Coach Vanek wohl darin bestehen, sein Team bis zum nächsten Spieltag in erster Linie moralisch aufzurichten, denn eine Vielzahl von Niederlagen dieser Art können dann auch schon mal arg aufs Gemüt schlagen.

Das beste Beispiel dafür lieferte der Übungsleiter selbst: Zwei Tage zuvor sagte er noch bei der unglücklichen 1:3 – Niederlage seiner Mannschaft in Neuwied während der Pressekonferenz, dass es eigentlich egal sei, ob man 1:3 oder 1:8 verloren hätte. Die Punkte seien so oder so futsch.

Gestern entschied er sich, das Spiel lieber gar nicht zu kommentieren, weil er emotional sehr aufgewühlt sei und Angst habe, Dinge zu sagen, die er später bereuen würde. Auch ihm fällt es derzeit scheinbar nicht mehr leicht, immer nur positiv zu sein.

Es wird also Zeit, dass sich die Giftschlangen den ersten Dreier holen. Allein schon für die Moral.

Und das so schnell wie möglich.

Dabei fing gestern Abend alles gut für die Giftschlangen an. In der 6. Spielminute veredelte Sven Schiefner die Vorlage seines Teamkollegen Martin Beneš in Abstaubermanier zur 1:0 – Führung. In der 14. Spielminute zeigte der Meister erstmals so richtig seine Qualität und glich durch Killian Hutt zum 1:1 aus. Doch die Kobras zeigten Nervenstärke und ließen zunächst keinen weiteren Treffer zu. Mit diesem Unentschieden ging es dann zum ersten Mal in die Kabinen.

Nach der Pause kamen zwar die Gäste etwas besser aus der Kabine, doch auch die Hausherren waren spielfreudig. Und so zeigte sich Kobra – Neuzugang Sören Hauptig in der 28. Spielminute schlitzohrig, als er Dragons – Goalie Kieren Vogel nahezu von der Torauslinie den Puck durch die eigentlich nicht vorhandene Lücke zwischen ihm und dem linken Pfosten spitzelte. Jetzt schalteten die Favoriten zwei Gänge hoch und die Kobras befanden sich im Belagerungszustand. Doch mit viel Willen, Einsatzfreudigkeit und einigen sehr starken Szenen von Marvin Frenzel überstanden die Giftschlangen diese Drangphase. Und es kam noch besser: Gut 1 Minute vor der zweiten Pause bekamen die Dinslakener eine Überzahl zugesprochen. Sören Hauptig, Jerome Baum und Pascal Behlau brauchten ganze 8 Sekunden nach dem Bully, bis Letztgenannter das schwarze Hartgummi in den rechten oberen Winkel gehämmert hatte. Bei 3:1 ertönte die Sirene zum zweiten Mal.  

Der Knackpunkt der Partie war zwischen der 41 und 45 Spielminute, als die Gäste den 2-Tore-Rückstand durch Treffer von Jörn Weikamp und Damian Martin wieder egalisierten.
In der verbliebenen Spielzeit gab es hüben wie drüben noch gute Möglichkeiten, sich den Dreier zu ergattern, doch es sollte nicht sein.

In der Overtime wurde dann auf 3 gegen 3 Spieler umgestellt. Dies ist in der Regel ein Vorteil für das spielerisch bessere Team. So auch gestern Abend, als sich Herfords Kanadier Killian Hutt in der 66. Spielminute durch die Dinslakener Verteidiger tanzte und auch Marvin Frenzel narrten konnte. Dann war das 4:3 für ihn nur noch Formsache.

Vielleicht schaffen es die Kobras, sich mehr über den ersten Punkt zu freuen als über zwei verlorene zu ärgern, sodass man schnell wieder den Kopf frei hat für das Derby am Freitag gegen Ratingen. Denn dann wird es den nächsten Anlauf geben, einen lupenreinen Drei-Punkte-Sieg einzufahren.

Dinslaken Kobras – Herforder EV: 3:4 n.V. (1:1; 2:0; 0.2; 0:1)

Torschützen Dinslaken:                                  Schiefner, Hauptig, Behlau
Torschützen Herford:                                       Hutt (2), Weikamp, Martin

Strafminuten Dinslaken:                                14
Strafminuten Herford:                                      8