Viel Lob ohne Ertrag

Sie ackerten und mühten sich und bekamen dafür auch jede Menge aufmunternde Worte, doch die erneut mit einem Rumpfkader angetretenen Kobras zeigten in Neuwied zwar wieder einmal eine sehr engagierte Leistung, doch am Ende mussten sie sich den Hausherren mit 2:4 geschlagen geben. Das Problem der letzten Wochen setzte sich auch gestern fort. Wenn es nicht das zahlreiche und schwere Gepäck gewesen wäre, welches ins Icehouse nach Neuwied zu transportieren gegolten hätte, für die Anzahl der Spieler hätte es anstelle eines Reisebusses auch ein Kleinbus getan. 12 Spieler plus zwei Torhüter konnte Dinslakens Mannschaftsführer auf dem Spielberichtsbogen eintragen lassen. Neben den Langzeitverletzten und beruflich Verhinderten musste gestern auch noch Jesse Parker passen. Er hatte bei einem Abwehrversuch in Diez – Limburg die Scheibe unglücklich abbekommen und konnte aufgrund einer starken Prellung nicht am Spiel teilnehmen. Und das Verletzungspech bleibt den Giftschlangen treu: Die ohnehin mit nur drei Defensivkräften angetretenen Dinslakener mussten im letzten Drittel auch noch auf Verteidiger Moritz Hofschen verzichten, der sich beim Fallen nach einem Check das Knie verdrehte und nur stark humpelnd die Heimreise antreten konnte.
Dementsprechend groß war auch die Anerkennung des Gegners für den aufopferungsvollen Kampf, den die Kobras den Bären in den vorausgegangenen 60 Minuten geliefert hatten, doch für die Dinslakener blieb bis auf Blessuren und Spritkosten nichts von dieser Begegnung übrig.

Die favorisierten Bären sahen sich in den ersten 5 Spielminuten eines gleichwertigen Gegners gegenüber. Die Partie ging rasant von Tor zu Tor herunter, die neutrale Zone wurde immer wieder schnell überbrückt, sodass die Zuschauer im Sekundentakt den Atem anhalten mussten. Mit zunehmender Spieldauer erarbeiteten sich die Bären dann ein spielerisches Übergewicht, welches sich in der 13. Minute erstmalig bezahlt machte. Dabei hatte die Kobra – Defensive den ehemaligen Dinslakener Stürmer Kevin Wilson übersehen, der sich völlig frei ca. 3m zentral vor dem von Marvin Frenzel ausgezeichnet gehüteten Gehäuse befand und sich für die linke Ecke entschied.
Die Hausherren behielten auch im Anschluss die Oberhand, doch die Giftschlangen waren immer wieder durch Konter gefährlich. Einen solchen schloss ein mit Dennis Appelhans ein ehemaliger Neuwieder Akteur ab, als er in der 20. Spielminute halblinks antrat und mit einem satten Schuss unter die Latte Felix Köllejan das Nachsehen gab. Zu diesem Zeitpunkt war auf dem Eis mehr Platz als gewöhnlich, denn jeweils 1 Akteur beider Teams saß in der Kühlbox.

Im Mittelabschnitt konnten sich beide Defensivverbände immer wieder auszeichnen, doch sowohl Verteidiger als auch Torhüter behielten bei den 3 gegen 5 – Unterzahlsituationen – jeweils eine auf beiden Seiten – die Oberhand. Die Hausherren waren zwar das bestimmende Team, doch die Kobras kämpften wie die Kobras und mussten sich angesichts der personellen Situation nichts vorwerfen lassen. Es machte einfach Spaß, ihnen zuzuschauen.
Dennoch mussten die Gäste in der 25. Spielminute das 1:2 hinnehmen. Sam Aulie hatte aus einer unübersichtlichen Situation heraus den Überblick behalten und schob die Scheibe an vielen Schlägern, Beinen und auch an Marvin Frenzel vorbei.
In der 43 Spielminute hielt Marvin Frenzel einen von Jeff Smith geschossenen Penalty, wobei der Dinslakener Schnapper nicht wirklich eingreifen musste, denn der 31-jährige Amerikaner hatte sich beim Anlauf verzettelt.

Als Aulie in der 48. Spielminute seinen Farben eine 2-Tore-Führung bescherten, glaubten viele Zuschauer, dass dies die Vorentscheidung war.
Doch die Niederrheiner wollten sich noch nicht geschlagen geben, mobilisierten nochmal ihre Kräfte und schafften nach einer sehenswerten Kombination den 3:2 – Anschlusstreffer. Stefan Dreyer und Philipp Heffler hatten dabei für Martin Beneš aufgelegt, der wenig Mühe hatte, den Puck ins nahezu leere Tor zu bringen.
Noch einmal öffneten die Dinslakener den Reservetank und warfen alles nach vorne, um den Ausgleich zu erzielen, doch Sam Aulie, der Mann des gestrigen Abends auf Seite der Hausherren, zerstörte die Hoffnungen der Giftschlangen mit seinem dritten Treffer zum 4:2 – Entstand.

„Milan Vanek analysierte die Partie im Anschluss wie folgt: “ Zunächst einmal möchte ich ein Riesenlob an die gesamte Mannschaft, inklusive eines Sonderlobs für Marvin Frenzel loswerden. Wir plagen uns ja mittlerweile seit 6 Wochen mit einer großen Anzahl an Verletzten herum. Heute waren es 9 Mann, die mir gefehlt haben. Deshalb habe ich auch die Taktik ein wenig umgestellt. Das, was wir uns vorgenommen hatten, haben wir auch genau so umgesetzt. Schade, dass wir nichts Zählbares aus unserer 5:3 – Überzahlsituation herausgeholt haben. Aber auch wir mussten ja eine doppelte numerische Unterzahl überstehen. Wir hatten heute nur 3 Verteidiger dabei und nachdem Moritz Hofschen verletzt ausgeschieden war, musste ich teilweise auch 5 Stürmer gleichzeitig aufs Eis schicken.
Aber es haben alle hervorragend gekämpft und sich in die Schüsse geworfen und ich bin sicher, dass wenn wir irgendwann wieder komplett sind, wir dann auch den Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte den ein oder anderen Punkt abknöpfen werden. Unser primäres Ziel ist es in Anbetracht der Situation erst einmal, mindestens Sechster zu werden. Aber auch das ist im Moment noch nicht safe.
Vom nächsten Wochenende bei den Spielen am Freitag in Herford und am Sonntag in Ratingen sollte der Anspruch sein, mindestens drei Punkte aus den beiden Begegnungen mit nach Dinslaken zu bringen. Darauf werden wir in der nächsten Woche das Training ausrichten und dann werden wir am Sonntagabend sehen, was dabei herausgekommen ist“, wagt der Dinslakener Übungsleiter einen Ausblick auf das kommende Wochenende.

EHC Neuwied – Dinslakener Kobras:          4:2 (1:1; 1.0; 2:1)

Torschützen Neuwied:                                    Aulie (3), Wilson
Torschützen Dinslaken:                                  Appelhans, Beneš

Strafminuten Neuwied:                                 18
Strafminuten Dinslaken:                               20