Kobras stolpern in Neuss

Wenn bei den Kobras in dieser Saison eines konstant ist, dann sind es starke Leistungsschwankungen. Gab es gegen Ratingen zuletzt 4 sehr starke Drittel der Giftschlangen zu bejubeln, trauerten einige der ca. 40 mitgereisten Dinslakener Fans gestern bei der 5:6 – Niederlage in Overtime dem Spritgeld nach, das sie für die Fahrt nach Neuss ausgegeben hatte.

Trotz 18 Feldspieler plus 2 Torhüter war man gestern nicht in der Lage, das Spiel der Gastgeber zu unterbinden und sein eigenes Spiel aufzuziehen. Paradox auch, dass sich die zwischenzeitliche 2:0 – Führung der Giftschlangen nach gut 5 Spielminuten eher kontraproduktiv auf den restlichen Spielverlauf für die Dinslakener auswirkte. Ohne den verdienten Sieg der Neusser schmälern zu wollen, eine engagierte Gegenwehr seitens der Kobras sieht für gewöhnlich anders aus. Ganz anders.

Und dann passierte das, was dem Spiel die entscheidende Wende gab: das Anschlusstor in der 9. Spielminute. Fortan hörten die Gastgeber damit auf, wie das Kaninchen vor der Schlange zu zittern und legten mal locker eine Schippe drauf. Ein Sachverhalt, der den Kobras bis zum Spielende nicht gelingen wollte. Die Mannschaft von Trainer Daniel Benske, bislang im gesamten Saisonverlauf sieglos, witterte nun ihre Chance und zeigte sich einsatzfreudig, passsicher, konterstark und effektiv im Abschluss, während einige Leistungsträger der Dinslakener gestern Abend Vieles schuldig blieben. Ein gut aufgelegter Ken Passmann im Neusser Kasten erledigte den Rest.
Nachdem die Niederrheiner eine 4-minütige Überzahl ungenutzt ließen, wurden sie dann in der 18. Spielminute prompt bestraft. Nikolai Varianov besorgte für seine Farben den 2:2 – Ausgleich. Ein Treffer, bei dem auch Lucas Eckardt keine glückliche Figur machte. Spätestens jetzt hatten die Hausherren Blut geleckt und machten es den Dinslakenern durch schnelles Passspiel immer schwerer. Eine Folge davon war das 3:2 für den NEV. Thorben Beeg war 19 Sekunden vor Drittelende unbedrängt ca. 5m vor dem Gehäuse von Lucas Eckardt zum Schuss gekommen. Bei dem Hammer in den linken Winkel war der Goalie diesmal ohne Abwehrmöglichkeit.

Für den Rest der Spielzeit könnte man grob den Verlauf wie folgt beschreiben: Die Kobras bemühten sich vergeblich um Spielkontrolle, die sich ihnen bietenden Möglichkeiten wurden häufig von Ken Passmann zunichte gemacht oder wurden schlichtweg vergeben, während die Neusser durch einfache, schnelle Kombinationen die Dinslakener Defensive vor immer neue Herausforderungen stellte. Zwar schaffte Stefan Dreyer kurz nach der ersten Drittelpause den 3:3 – Ausgleich, aber dann verpufften die Dinslakener Bemühungen im weiteren Verlauf. Dafür zeigten sich nun die Hausherren sehr um einen Sieg bemüht, schafften sie es doch, sich durch Felix Wolter (31.) und Leon Offer einen 2-Tore-Vorsprung herauszuspielen.

Nach letzterem Treffer waren nur noch 15 Minuten zu spielen. Milan Vanek stellte später auf 2 Reihen um, was die Kobras wieder in die Partie brachte. Dennis Appelhans in der 52. Und Philipp Heffler in Überzahl in der 60. Spielminute besorgten den 5:5 – Ausgleich nach regulärer Spielzeit.

Aber auch die Verlängerung war sinnbildlich für das Spiel der Kobras am gestrigen Abend. Mit einer Überzahlsituation in die Overtime gegangen, vermochten es die Gäste nicht, den Puck an Passmann vorbei zu bringen. Eine am gegnerischen Tor getätigte Regelwidrigkeit eines Kobra – Spielers hob dann die Überzahlsituation auf. Als die Gastgeber später wieder vollzählig und somit in eigener Überzahl waren, führte Maximilian Bleyer die schwarze Hartgummischeibe im Verteidigungsdrittel der Kobras unbedrängt Richtung Tor von Lucas Eckardt. Die drei auf dem Eis befindlichen Dinslakener deckten nun die drei Neusser Spieler, die Bleyer hätte anspielen können, vergaßen aber, rechtzeitig den Puck – führenden Bleyer zu attackieren, der dann wenig Mühe hatte, mit einem Kracher in den linken oberen Winkel den Zusatzpunkt für die Neusser zu sichern.

„Das war eines der schlechtesten Spiele, was wir diese Saison abgeliefert haben. Selbst der eine Punkt, den wir erhalten haben, war aus meiner Sicht glücklich. Ich hoffe, dass diese Niederlage zum richtigen Zeitpunkt kam und meiner Mannschaft eine Lehre ist. Man kann in dieser Liga gegen kein anderes Team mit nur 80% Leistung antreten, auch wenn man mit 18 Feldspielern und 2 Torhütern aufläuft. Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen“ lautete das knappe Statement von Milan Vanek im Anschluss an die Begegnung.

Gleich haben die Giftschlangen durch abliefern einer besseren Leistung im Interregio – Cup in Lüttich die Möglichkeit, verlorengegangenes Selbstvertrauen zurück zu gewinnen. Das Eröffnungsbully gibt’s um 18:45 Uhr.

Neusser EV – Dinslakener Kobras:               6:5  (3:2; 2:1; 1.2; 1:0)  (OT)

Torschützen Neuss:                                          Varianov (2), Beeg, Offer, Wolter, Bleyer

Torschützen Dinslaken:                                  Dreyer (2), Heffler (2), Appelhans

Strafminuten Neuss:                                       14

Strafminuten Dinslaken:                                10