Kobras erster Tabellenführer des Inter-Regio-Cups

Mag sein, dass diese Überschrift ein wenig zum Stirnrunzeln anregt, wenn man weiß, dass die Dinslakener gestern Abend in der einzigen stattgefundenen Begegnung gegen HYC Herentals mit 6:5 n.V. gewonnen hatten, aber dennoch ist es eine Tatsache.
Dies war aber nicht die einzige Premiere. Es war das erste Pflichtspiel einer Dinslakener Seniorenmannschaft im Ausland. An Dramatik stand diese Begegnung dem Hauptrundenspiel gegen Herford zwei Tage zuvor in nichts nach.

Als der Kobra-Tross nach zweieinhalbstündiger Fahrt am Stadion in Herentals angekommen war, wurden erst einmal die Eindrücke des neuen Stadionpunktes eingesammelt. Das etwas betagte, aber gut gepflegte offene Eisstadion mit einem Zeltdach, welches stark an das Münchener Olympiastadion erinnert, liegt sehr idyllisch in einem Sportpark, der Sportbegeisterten viele verschiedene Aktivitäten bietet und dies mitten im Wald.
Die Dinslakener wurden freundlich empfangen und es wurden ihnen ihre Umkleideräume zugewiesen. Ein erster prüfender Blick auf die Eisfläche offenbarte dann, dass die Kühlung für die 15°C – warme Außentemperatur nicht mehr ausreichte. Ein großer Wasserfilm hatte sich auf das Eis gelegt. Das macht das Eishockeyspielen nicht gerade leichter.
Kurz vor der Abfahrt hatten die Giftschlangen noch erfahren, dass die Partie per Livestream im Internet übertragen werden würde. Als Service für die Daheimgebliebenen. Mit flämischem Kommentar. Sicherlich auch ein Novum für die Dinslakener.

Übrigens: Eishockey wurde auch gespielt. Und wie!
Die Hausherren legten im ersten Drittel ein Tempo vor, dass einem um die Kobras angst und bange werden musste.
Die erste Torchance hatten nach gut 1 Minute die Hausherren, doch Marvin Frenzel machte die Tür zu. Im ersten Spielabschnitt war jeder Gastgeber seinem Gegenüber immer einen Schritt voraus und hatte mehr Zug zum Tor. So mussten die mitgereisten Fans ca. zweieinhalb Minuten warten bis sie Zeuge der ersten Kobrachance werden konnten. Dominick Spazier hatte sich durchgetankt, scheiterte aber an Herentals Goalie Arne Waumans.
Nach 3:30 Minuten die zweite gute Chance für die Gäste. Leon Taraschewski hält einfach mal drauf, doch der Puck zischt knapp am rechten Pfosten vorbei. Im direkten Anschluss setzt er einen Check, für den sich ein Gegenspieler regelwidrig revanchierte. Die anschließende Überzahl sollte nicht folgenlos bleiben.

Zunächst verloren die Niederrheiner nach Anspiel und Rückpass auf den Blueliner die Übersicht und sahen sich im Anschluss eines 2 gegen 1 – Konters entgegen. Dieser wurde von den Belgiern eiskalt ausgeführt und Marvin Frenzel war zum ersten Mal geschlagen. Doch dieselbe Überzahl nutzen die Dinslakener, um sich selbst erstmalig auf die Anzeigetafel zu bringen, denn Jesse Parker bugsierte den Puck nach Vorlage von Philipp Heffler durch die Hosenträger des Goalies zum umjubelten 1:1-Ausgleich.
Die Kobras waren im weiteren Verlauf zwar bemüht, doch die Gastgeber erarbeiteten sich die zwingenderen Chancen. So musste Marvin Frenzel mit einem Monster – Safe eine 2 auf 1 Situation entschärfen, ansonsten wären die Belgier bereits in der 7. Spielminute in Führung gegangen. Die Hausherren schafften es im ersten Abschnitt weitestgehend, den Puck aus ihrer Gefahrenzone fernzuhalten und kamen die Kobras doch einmal zum Schuss, wurde dieser häufig geblockt. Torhüter Waumans hingegen wurde kaum geprüft. Dafür waren die Belgier bei ihren Angriffen schnell, passgenau und wählten immer den direkten Weg zum Tor. Somit war das 2:1 auch folgerichtig. Nach einer schönen Kombination stand Nathen Pancel, der auch schon für den ersten belgischen Treffer verantwortlich war, halbrechts neben dem Gehäuse von Marvin Frenzel völlig frei und hatte nach Aufnahme des Querpasses wenig Mühe, den Puck an Dinslakens Schnapper vorbei zu schlenzen.

Der Dinslakener Goalie war dann auch einer der Gründe für das 3:1 der Gäste, weil er sich 2 Strafminuten wegen Stockschlags eingehandelt hatte. Die Gastgeber nutzten die Überzahl, um ihre Führung auf 2 Tore auszubauen. Mit dem Spielstand von 3:1 ging es dann erstmalig in die Kabine.

Auch wenn es sonst nicht unsere Art ist, über Schiedsrichterleistungen zu urteilen, möchten wir an dieser Stelle doch ein paar Worte über den Unparteiischen des gestrigen Abends verlieren. Wie dieser Mann die Regeln gebeugt hat, war schon abenteuerlich. Zwar waren die Kobras im Vorfeld informiert worden, wie es dort gang und gäbe ist, ein Spiel zu leiten, aber wenn man es dann live sieht, ist es dennoch erschreckend. Glücklicherweise wurde es ab Spielabschnitt 2 dann besser.

Aber auch die Kobras kamen nun besser in die Partie. Jetzt machte sich das schweißtreibende Sommertraining von Coach Vanek bezahlt. Denn während die Gäste weiterhin ihr Tempo gehen konnten, musste Herentals langsam aber sicher ihrer hohen Geschwindigkeit des Anfangsdrittels Tribut zollen.
Dabei machte sicherlich der Anschlusstreffer durch Leon Taraschewski in der 22. Minute weitere Kräfte bei der Vanek – Truppe frei. Den hatten die Belgier rechts vor dem Gehäuse wohl völlig vergessen und so hatte „Tara“ wenig Mühe, den Puck erneut durch die Hosenträger von Waumans einzuschieben.

Und es kam noch besser: Als den Niederrheinern in der 29. Minute ein Powerplay zugesprochen wurde, spielte Benni Hüsken den an der blauen Linie postierten Martin Beneš an und Dinslakens Goalgetter ließ sich nicht zweimal bitten und hämmerte die schwarze Hartgummischeibe ins rechte obere Eck. Neuer Spielstand 3:3.
Doch die Freude währte bei Mannschaft und Fans nur kurz. Genau gesagt: Nur 11 Sekunden. Quasi vom Anstoßbully weg drängte Herentals nach vorne und keine Kobra schaffte es mehr, an die Scheibe zu kommen: Erneute Führung der Hausherren. Diese bekamen jetzt nochmal Rückenwind und setzten die Gäste insbesondere in den letzten 5 Minuten vor Drittelende in ihrer Verteidigungszone fest. Doch mit viel Können, etwas Glück und Geschick überstehen Marvin Frenzel und seine Vorderleute diverse brenzlige Situationen. Beim Spielstand von 4:3 ertönt die Stadionsirene zum zweiten Mal.

Die erste Möglichkeit des letzten Drittels hat dann aber Henrik Müller, der Puck fliegt nur knapp am linken Pfosten vorbei. Im Anschluss erspitzelt sich Stefan Dreyer das Spielgerät, läuft bedrängt auf das gegnerische Gehäuse zu, doch der Puck streift beim Torabschluss nur die Oberkante der Latte. Kurze Zeit, nachdem die Gastgeber 3 Großchancen im Sekundentakt hatten, erwischten sie die Kobras eiskalt. Henrik Müller nutzte, kurz zentral hinter der blauen Linie stehend, die Tatsache, dass dem belgischen Goalie für einen Moment komplett die Sicht versperrt war und hämmerte den Puck in die Maschen. Spielstand jetzt: 4:4.

Als Herentals 7 Minuten vor dem Ende erneut eine Powerplaysituation für sich zum neuen Spielstan 5:4 nutzen konnten, begann auf den Rängen das Zittern beim Dinslakener Anhang. Doch wieder einmal bewiesen die Kobras Comeback – Qualitäten. Erneut ist es Torjäger Martin Beneš, der das Herzrasen der Fans beenden kann. Er schaltet bei einem Konter von allen Beteiligten am schnellsten, wird mustergültig von Stefan Dreyer angespielt und jagt den Puck aus vollem Lauf in den rechten oberen Winkel. Beim Spielstand von 5:5 stand für die Kobras nach der Schlusssirene erneut eine Verlängerung an – wie am Freitag. Nur dieses Mal mit Happy End. Denn knapp 2 Minuten nach Wiederanpfiff erzielten die Giftschlangen in Unterzahl den vielumjubelten 6:5 Siegtreffer.

Nach dem Spiel stand die Frage im Raum, wer diesen Treffer denn erzielt hätte? Martin Beneš oder Stefan Dreyer? „Ich war zwar noch als Letzter noch am Puck aber eigentlich ist das doch egal“, untermauerte Stefan Dreyer, dass man in Dinslaken begriffen hat, was Mannschaftssport heißt.
Übrigens: Im offiziellen Spielbericht ist Jesse Parker als Torschützt aufgeführt.
Aber wir wissen ja jetzt: Sei’s drum. Wir sind eben eine große Kobra – Familie.

So lautete im Anschluss an die Partie das Statement des Schlangenbeschwörers Milan Vanek:
„Wir wussten im Vorfeld, wie die Liga hier spielt. Gerade im ersten Abschnitt. Viele böse und versteckte Fouls der Hausherren. Wir waren fast immer fair. Das sieht man auch an den wenigen Strafminuten, die wir im ersten Drittel hatten. Das ist dann ab dem zweiten Drittel besser geworden. Wir haben nach dem ersten Drittel 1:3 hinten gelegen und ich habe in der Kabine deutliche Worte gesprochen, was sich im Anschluss auch bewährt hat. Ich habe gesehen, dass meine Mannschaft fitter war und ich habe ja gesehen, dass die Belgier das hohe Tempo nicht aufrecht halten konnten. Die harte Arbeit im Sommer hat sich heute wieder ausgezahlt. In der Verlängerung bin ich dann ein wenig auf Risiko gegangen und habe 3 Stürmer aufs Eis gestellt und diese auch dort gelassen, als Herentals dann in einer 4:3 – Überzahlsituation war. Die Jungs haben gezeigt, dass sie auch das können und haben bei einer 3:4 – Unterzahl den Siegtreffer erzielt.
Ich bin sehr happy und ab jetzt geht der Blick wieder nach vorne Richtung Grefrath und Neuwied. Die Mannschaft wird morgen frei haben, am Dienstag wird dann wieder hart trainiert. Dafür ist der Mittwoch wieder frei. Und dann stehen schon bald die nächsten harten Begegnungen an“.

Auch wenn der Mannschaftsbus erst gegen 1:30 Uhr wieder an der Schlangengrube ankam und jetzt noch die Arbeit der Betreuer weiterging, war es für Mannschaft und Fans einmal mehr ein rundum gelungenes Event.

HYC Herentals – Dinslakener Kobras       5:6 n.V. (3:1; 1:2; 1:2; 0:1)

Torschützen Herentals:                   Pancel (3), Morgan, Van Dyck)
Torschützen Dinslaken:                   Parker (2), Beneš (2), Müller, Taraschewski

Strafminuten Herentals:                           12
Strafminuten Dinslaken:                          16