Ernüchterung pur

Der Anfang vom Debakel: Timo Busse (#74) erzielt das 1:0 für die Hausherren

 

Als Spielberichterstatter freut man sich, wenn man über ein tolles Spiel seiner Mannschaft berichten darf und schießt vielleicht im Eifer des Gefechtes schon einmal übers Ziel hinaus. Man versucht bei Spielen, in dem das Team bis zum Umfallen gekämpft und sich dennoch dem übermächtigen Gegner geschlagen geben musste, dem Leser zu vermitteln, dass es sich trotz einer Niederlage lohnt, sich ein Spiel dieser Mannschaft anzuschauen und es gibt Spiele wie gestern, in denen sportliche Einzelheiten zur Nebensache werden.
Die Voraussetzungen für die Dinslakener Kobras, sich vom letzten Tabellenplatz zu entfernen, waren nicht schlecht. Trat man doch beim Neusser e.V. an, der seinerseits selbst mit einem schwachen Start zu kämpfen hatte und mit nur 2 Punkten aus den ersten 5 Spielen nur unwesentlich besser in der Tabelle beheimatet war.
Wer das Heimspiel der Giftschlangen gegen Diez-Limburg gesehen hatte, fuhr voller Vorfreude und Erwartungen auf diese Partie in die Eishalle am Südpark nach Neuss.
Doch nach dem Spiel sah man in den meisten Gesichtern der Dinslakener Fans hauptsächlich Frustration und blankes Entsetzen.
Was war passiert ? In Zahlen ausgedrückt hatten die Kobras die Begegnung mit 3:8 (1:2; 1:2; 1:4) verloren. Doch es war nicht die Enttäuschung der Fans über das Ergebnis, sondern vielmehr die Art und Weise, wie es entstanden war.
Dass man beim Vergleich des Tabellenvorletzten gegen den Tabellenletzten kein Eishockey – Schmankerl erwarten darf, war auch den Kobra-Fans im Vorfeld bewusst. Doch die Art und Weise, wie man sich seitens der Dinslakener in sein Schicksal ergab, versetzte selbst die eingefleischtesten Fans in einen Schockzustand.
Nahezu dieselbe Mannschaft, die in der 2. Hälfte der letzten Saison ihre Fans zu begeistern wusste und die auch jetzt auf einem guten Weg schien, an diese Leistungen anknüpfen zu wollen, ließ gestern Abend jegliche mannschaftliche Geschlossenheit und Einsatzbereitschaft vermissen. Wer  weiß, dass die Kobras zu 90% von ihrer kämpferischen Einstellung leben, da sich ihr spielerisches Potenzial derzeit arg in Grenzen hält und dann an einem Abend, an dem man den letzten Tabellenplatz gegen ein durchaus schlagbares Team hätte verlassen können, ihre wichtigste Tugend zuhause gelassen hat, der kann vielleicht in Ansätzen ermessen, wie es in den Köpfen der mitgereisten Fans zugegangen ist.

Marvin Haedelt konnte die Niederlage nicht verhindern. Auch er hatte nicht seinen besten Tag erwischt und ließ sich nach dem 7. Gegentreffer auswechseln

Im Gegenteil: Viele kontraproduktive Aktionen machten eine erfolgreiche Aufholjagd schon in Ansätzen zunichte. Ein gutes Beispiel dafür war die Situation, als es die Gäste nach 10 Sekunden eigener Überzahl schafften, in einer einzigen Spielszene gleich 2 Spieler an die Strafbank zu verlieren, so dass nach 10 Sekunden Überzahl eine Unterzahl folgte. Überflüssig zu erwähnen, dass die Neusser ihre Überzahl in einen Treffer ummünzten.
Apropos Strafzeiten: Dies scheint sich in dieser Saison zu einem Problem auszuwachsen, denn erneut standen 22 Strafminuten am Ende auf dem Spielberichtsbogen. Klar, die Tatsache, dass auch der NEV von 24 Strafminuten betroffen war, deutet auf eine enge Regelauslegung des Unparteiischen hin. Dennoch scheint man derzeit nicht in der Lage zu sein, diese Undiszipliniertheiten zumindest bei wichtigen Spielen eindämmen zu können.
Auch ging zu keinem Zeitpunkt ein spürbarer Ruck durch die Mannschaft. Der unbedingte Wille, diese Partie noch einmal zu drehen, wurde schmerzlich vermisst. Nahezu alle Spieler blieben weit unter ihrer Normalform. Fast jeder Neusser Spieler war läuferisch und gedanklich schneller als sein Gegenüber.
Dies alles soll die Leistung der Neusser in keinster Weise schmälern. Sie hatten die Partie auch in dieser Höhe verdient gewonnen. Allerdings reichte an diesem Abend bereits einfachstes Eishockeyhandwerk aus, um die Gäste vor eine unlösbare Aufgabe zu stellen.

Zwar sind in dieser Spielzeit in der Hauptrunde noch 26 Begegnungen für die Giftschlangen zu absolvieren, doch sollte nicht bald eine erhebliche Leistungssteigerung zu sehen sein, wird die rote Laterne schnell zum Abstiegsgespenst mutieren.

 

Neusser EV – Dinslakener Kobras                       8:3 (2:1; 2:1; 4:1)

 

Torschützen Neuss:                                               Schwehr (3), Schroll (2), Busse, Schneider, Rüwald
Torschützen Dinslaken:                                         Giesen, Wilson, Hofschen

 

Strafminuten Neuss:                                             24
Strafminuten Dinslaken:                                       22

 

Zuschauer:                                                             123

classic

yes

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